Vielschichtigkeit als Arbeitsmaterial

Barbara, wie siehst Du Deinen Ansatz, wieviel steckt von Dir und Deine Sicht auf die Dinge in deinem Werk, in Deinem Arbeitsmaterial? 

Ich nutze verschiedenes Material, in dem Geschichte steckt: Altglas, Altkleider oder eben die „Schwarten“ von Litfaßsäulen. Es passt zu „meiner Sicht auf die Dinge“.

Als Künstlerin bin ich forschend und gestaltend unterwegs. Im Grunde bin ich immer auf Entdeckungsreise. Meine künstlerischen Werkreihen reflektieren den jeweiligen Zeitgeist, die Objekte entstehen aus dem Material vergangener Zeitdokumente (den Plakaten) und halten einen Abschnitt, eine Abbildung der Geschichte fest.

Das Material der Litfaßsäule, die über Jahrzehnte übereinander geklebte Schichten von Werbe-Plakaten, faszinierten mich schon lange, spiegeln sie doch sowohl die Vielschichtigkeit des Lebens als auch die Wahrnehmungsebenen der Menschen wider. Oberflächlich wird eine Botschaft transportiert, doch was liegt darunter?

Den künstlerischen Prozess kann man über die verschiedenen Werkreihen verfolgen. Im jetzigen Werk zu unseren Gesichtern in digitalen Zeiten nehme ich die Schichten auseinander, nutze die Plakate als Material für die Gesichts-Kollagen. Die Schwarte bleibt als Träger darunter, aber ich gebe ganz bewusst eine neue Gestalt hinzu.

Gerade jetzt, wo eine fühlbare und erlebbare Bedrohung durch eine lebensfeindliche Epidemie rund um die Welt läuft und keinen auslässt, wird die Vielschichtigkeit des Lebens, die Zufälligkeit der Lebensorte, die unterschiedlichen Wahrnehmungen, Deutungen und Handlungsmuster auffällig.

Die Inspiration kommt demnach durch Themen, die mir durch Gesellschaftspolitik entgegenspringen, die ich auch gedanklich auslote, ich recherchiere und lese viel zu den verschiedenen Aspekten. Das Material bringt noch eine zusätzliche Ebene herein und schafft somit die künstlerische Transformation.


Judith, wie verstehst Du Deinen Forschungsansatz und was hat das mit  Gesichtserkennungstechnologien zu?


Neugierig geworden, wie man so Skulpturen erstellt?

11.5.2020, 19:00 Uhr:

„Sculpture in Progress“ – Mit Kettensäge und Teppichleim

Die Künstlerin Barbara Otto benutzt die über Jahre auf Litfaßsäulen übereinander geklebten Schichten von Werbeplakaten. In einer Art Zeitdokumentation fertigt sie daraus Skulpturen von Gesichtern. Per Video schalten wir live in ihr Atelier und bekommen Einblick in einen kreativen Findungsprozess.

Den Link zu der Veranstaltung findet ihr hier.

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