Maskierung in der Öffentlichkeit

Barbara, wie ist Dein Blick auf solch eine Systematik?

Sehr wichtig erscheint mir die Unterscheidung, die Du im vorhergehenden Beitrag gemacht hat. Du schreibst: „Eine Technologie, die Emotionen auf dem Gesicht ablesen kann, hat nicht zwangsläufig auch die Eigenschaft, die Personen vor der Kamera zu identifizieren.“

Es geht also nicht nur um biometrische Daten, sondern um die Abbildung des emotionalen Prozesses im Gesicht. Die Einordnung eines Menschen in die Zughörigkeit, Schicht und Ethnie lassen sich vermeintlich an Äußerlichkeiten identifizieren: Kleidung, Haare, Hautfarbe, Körperumfang, Statussymbole.

Gleichzeitig sind wir als Menschen damit beschäftigt, eine Rolle auszufüllen und fragen uns, was wollen wir über unser Gesicht zeigen, was verbergen wir? Was geben wir von uns preis, was ist schützenswert?

Etwas verbindet viele Kulturkreise und Gesellschaften: Mächtige wollen ihre Untergebenen, ihre Bürger, ihre Kunden kontrollieren und steuern. Das führt zu Vermummungsverboten des Gesichtes im öffentlichen Raum und wird sanktioniert. Laut § 27 Versammlungsgesetz NRW darf man in Deutschland im öffentlichen Raum beispielsweise bei Demonstrationen oder im Auto keine Maske tragen.

Ein anderer Aspekt ist die Prägung in und aus den jeweiligen Kulturkreisen, aus denen wir kommen und in denen wir leben. Das Gesicht wahren, ein steinernes Gesicht, ein offenes Gesicht, sind bekannte Metaphern. In manchen Kulturen ist es ein Affront, dem anderen direkt in die Augen zu schauen. Woanders gilt der gesenkte Blick als ein Zeichen der Unterwerfung.

Sein Gesicht zu verdecken, kann entweder dem Schutz der eigenen Person dienen oder eine Verweigerung der Identifizierbarkeit bedeuten.

Eine Gesichtsbedeckung wird auch zum Schutz des Gesichtes bei der Arbeit mit gefährlichen Substanzen oder aus religiösen Gründen genutzt. Vermummung nennt man es bei Demonstrationen oder Straftaten, daher bestehen Vermummungsverbote.

Nun herrscht in Corona-Zeiten plötzlich eine Maskenpflicht.
Wie erkenne ich mein Gegenüber? Wie gehe ich auf ihn oder sie zu?

Das Virus verurteilt uns auf jeden Fall, Abstand zueinander zu halten. Das ist für uns als soziale Wesen schwierig. Ein Händedruck, eine Umarmung, ein Näherkommen sind uns wichtig.


Judith, was bedeuten nun die Gesichtserkennungstechnologien?