Der Künstlerische Dialog als Form der Forschung

Judith, Du bringst den Aspekt der Designforschung ins Gespräch. Kann man sagen, dass der Künstlerische Dialog von uns eine Form von Designforschung ist?

Designwissenschaft findet im Dialog zwischen Theorie und Praxis statt.

Denken und Gestalten sind zwei Tätigkeiten, die einander ergänzen. Die Gestaltung greift auf bestehende Konzepte und Modelle zurück, um einen aktiv zu verändern – die dadurch entstandene Veränderung sorgt ihrerseits dafür, dass Gedanken eine Resonanz erfahren. Ein veränderter Kontext macht neue Modelle notwendig. Design und Philosophie sind zwei Weisen, mit der Realität zu interagieren, die jeweils durch Verdichtungen angewiesen sind. Philosophie verdichtet Beobachtungen zu Modellen. Design nutzt Ästhetik, um komplexe Gedankenstrukturen zu einem (materiellen) Ausdruck zu verdichten.

Sich als Designerin mit Gesichtern zu beschäftigen, birgt zahlreiche Herausforderungen. Im Design nutzen wir oft Schemata und Stereotypen, um die Verständlichkeit von Objekten gewährleisten zu können. Diese Schemata sorgen dafür, dass Produkte intuitiv genutzt werden können und wir beispielsweise ohne längere Auseinandersetzung mit einem Produkt wissen, dass es sich zum Beispiel hierbei um eine Türklinke handelt.

Gesichtern mit dieser Haltung zu begegnen, würde ihre Individualität untergraben und Stereotype manifestieren, von denen wir uns eigentlich lieber lösen würden.
Die gestalterische und theoretische Auseinandersetzung mit Gesichtern und ihrem Wert in Zeiten der technologischen Gesichtserkennung kann man als eine Suche nach einem Umgang damit ansehen. Bezeichnend dabei ist, dass ich zwar aktiv darauf achten kann, in der Gestaltung Stereotype nicht zu sehr zu berücksichtigen. Gleichzeitig aber gelingt es mir nicht, mein eigenes Gesicht aus den Werken herauszuhalten. Wenn ich etwas gestalte, gehe ich zu Beginn immer von mir selbst aus.

Das sieht man beispielsweise an diesen Tongesichtern. Selbst wenn ich versuche, Gesichter zu machen, die ein anderes Alter, ein anderes Geschlecht oder andere Züge haben, als ich – irgendwie könnten sie trotzdem Verwandte von mir sein.


Barbara, wie siehst Du Deinen Ansatz, wieviel steckt von Dir und Deiner Sicht auf die Dinge in deinem Werk, in Deinem Arbeitsmaterial? 


Außerdem laden wir euch ein!

10.5.2020, 19:00 Uhr:

Kunstausstellung „FACE_OFF“ – Maske, Schutz oder Vermummung?

Zwei Künstlerinnen im Dialog: Judith Block und Barbara Otto haben sich ein Jahr lang mit dem Vermummungsverbot beschäftigt. Jetzt gibt es eine MaskenPFLICHT. Was tun? Ein offenes Brainstorming wie man die eigene Aversion gegen Schutzmasken humorvoll zum Ausdruck bringen kann.

Den Link zum Live-Stream findet ihr hier.

Um aktiv an der Diskussion teilzunehmen, schicke uns eine eine email an: Judith.block@gmx.de