Mehr als Modelle

Judith, denkst du, es ist nur noch eine Frage der (Entwicklungs-) Zeit, bis es möglich ist, uns mit Technologien vollständig zu durchschauen?

Technologien basieren immer auf Modellen, die wir uns von der Wirklichkeit machen. Und sie funktionieren ausschließlich dann, wenn der Kontext, in dem sie arbeiten, den Modellen hinreichend entspricht.

Um der Angst vor abstrakten Bedrohungen einen Ausdruck zu geben, braucht es eine Maske. Das eigene Gesicht lässt sich nicht genügend aufladen.

Sehr deutlich sieht man diesen Zusammenhang bei Robotern, die darauf programmiert sind, zu laufen und bei leichtesten Unebenheiten spektakulär ungebremst fallen.
Der Zusammenhang zwischen Modellen der Realität und der tatsächlichen Arbeitsumgebung von Maschinen gilt auch für Gesichtserkennungstechnologien. Sie funktionieren nur dann, wenn unsere Gesichter genügend den Modellen entsprechen, auf denen die Technologie basiert.

Werden einzelne Aspekte des Gesichts bei der Entwicklung der Technologie nicht berücksichtigt, fallen notgedrungen einige Individuen durch das Schema. Das passiert sowohl bei der Indexfunktion, wenn etwa Algorithmen nicht auf verschiedene Hautfarben trainiert werden und dann Personen mit dunkler Hautfarbe nicht als Menschen erkennen. Das Gleiche passiert auch bei der Mimik-Interpretation, wenn nur die Modelle der universellen Ausdrücke verarbeitet werden, kulturelle Ausdrücke jedoch nicht.

Problematisch werden Technologien jedoch auch dann, wenn die Modelle, auf denen eine Technologie basiert, grundsätzlich nicht korrekt sind. Die Forscher Xiaolin Wu und Xi Zhang von der Shanghai Jiao Tong University entwickelten 2016 eine Künstliche Intelligenz, der es vermeintlich gelingt, anhand von äußeren Merkmalen des Gesichts darauf zu schließen, ob eine Person kriminell ist oder nicht. Ein Blick in die dazugehörige Publikation zeigt jedoch offensichtliche wissenschaftliche und logische Fehler auf. Doch ob wissenschaftlich unzulänglich oder nicht – die KI liefert Ergebnisse. Werden solche Entwicklungen in einen gesellschaftlichen Kontext gebracht, dann urteilt ein falsches Modell über die Biografie von Menschen.

In solchen Fällen besteht die Problematik darin, dass die Modelle immer eine Reduktion der Realität vornehmen.


Die Frage ist nicht, ob wir durchschaut werden, sondern was passiert, wenn wir uns selbst Modellen unterwerfen und wir uns zwangläufig reduzieren?


Der Zauber der Begegnung

Barbara, wenn wir so viel aus dem direkten Kontakt schöpfen, können Gesichtserkennungstechnologien uns diesen Zauber der direkten Begegnung nehmen?

Ich setze auf die Widerstandskraft der Menschen, ihre Suche nach Nähe, die Anziehungskraft des Anderen. Die Individualität und die Vielfalt, das Besondere und die Abweichung von der Norm sorgt evolutionär für den Fortbestand unserer Spezies.

Wenn die Bemalung, die Maskierung, die Schönheit und das Besondere hervorheben kann, unterstreicht sie den Zauber der Begegnung. Sie kann sich auch dem Zeitgeist, dem Altern, sogar dem Tod anpassen. Will der Roboter nicht eigentlich zum Menschen werden, weil ihm etwas fehlt?

Wie wir uns nun veränderten gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen werden, scheint mir ungewiss. Die Angst vor der nicht durchschaubaren Technik ist ein schlechter Ratgeber. Transparenz ist angesagt. Die Gesichtserkennungstechnologie ist, banal gesagt, nicht mehr als die Erhebung von Daten. Wir werden also immer gläserner. Wir sind aber nicht immer gleich, deshalb ist die Einschätzung schon begrenzt. Zum Beispiel wurde in San Franzisco diese Technik abgelehnt, der Nutzen wurde als fragwürdig angesehen. Letztendlich kommt es darauf an, aufmerksam und wehrhaft zu sein.

Wir brauchen so etwas wie eine digitale Kulturtechnik, ähnlich dem Schreiben und Lesen, um ein Verständnis für die verschiedenen Technologien zu entwickeln. Vielleicht kommen wir dann zu differenzierten Ansätzen, wie wir mit diesen Technologien leben, jetzt und in Zukunft leben wollen.


Judith, denkst du, es ist nur noch eine Frage der (Entwicklungs-) Zeit, bis es möglich ist, uns mit Technologien vollständig zu durchschauen?


Fragile Masken des Alltags

Judith, haben Alltagsmasken – Schminke, Verstellung, Schönheitschirurgie, Accessoires wie Brillen oder Piercings – auch diesen Zauber oder geht der im Alltag verloren?

Generell neigen wir dazu, rituelle Masken oder Karnevalsverkleidung und Alltagsmasken getrennt voneinander zu betrachten. Masken im herkömmlichen Sinne haben die Eigenschaft, unsere Mimik und die Indexfunktion des Gesichts mit zu verdecken und zeigen sich in einem manifesten Ausdruck.
Alltagsmasken hingegen beeinflussen unser Aussehen nur, überlagern es nicht vollständig. Beiden Masken ist jedoch gemein, dass sie zeitlich stark eingeschränkt sind. Karnevalsmasken nehmen wir ab, Schminke verläuft, Bartfrisuren wachsen heraus und Botox verliert seine Wirkung. Die Vergänglichkeit jeder Maskierung macht einen Teil ihres Zaubers aus. Selbst wenn wir versuchen, unsere Erscheinung dauerhaft zu kontrollieren, so gestaltet die Zeit das Gesicht immer mit und fügt unserem Erscheinungsbild es etwas Zufälliges hinzu.

Eine Maskierung ist also an den Jetzt–Zustand des Gesichts gebunden und funktioniert ausschließlich im Augenblick des Angesichts wirklich gut.

Wenn wir einer Person ins Gesicht blicken, ist das Bild, was wir von ihr bekommen, einzigartig und nur für uns sichtbar. Die Maske wirkt nur in diesem gemeinsamen Moment.

Alltagsmasken haben nicht weniger Zauber, sie sind im Gegenteil sogar fragiler und kommunizieren subtiler mit den Mitmenschen. Zwischen einzelnen subtilen Hinweisen, wie eine Person gesehen werden möchte, sind lauter Leerstellen, die darauf hindeuten, wie viele Seiten einer Person wir in dem Augenblick des Angesichts nicht sehen können.


Barbara, wenn wir so viel aus dem direkten Kontakt schöpfen, können Gesichtserkennungstechnologien uns diesen Zauber der direkten Begegnung nehmen?


Der Zauber der Maske

Barbara, ist das Verbergen des echten Gesichts immer unehrlich? Kann man Maskierung auch positiv betrachten? Liegt darin nicht auch ein besonderer Zauber?

Nehmen wir mal den Kölner Karneval. Ein alter Brauch ermöglicht, in andere Rollen zu schlüpfen. Die Prinzessin, der Clown, der Teufel, Marie-Antoinette, der Mann als Frau, die Frau als Gewichtsheberin. Es ist oft auch ein befreiender Akt. Es erlaubt, etwas zeitlich begrenzt auszuprobieren. Hier kann ich auch eine andere Wahrnehmung des Gegenübers erleben. Dieser geteilte Raum hat einen besonderen Reiz, wie in einer Zauberei, lassen sich bestehenden Normen lösen. Hier liegt die Chance einer neuen Erfahrung, deren Aspekte eventuell nach dem Aschermittwoch mit ins normale Leben genommen werden können. Der CSD hat sicherlich ähnliche Wirkung.

Aktiv „das Selbst gestalten“ ist Ausdruck von Lebenslust. Gleichzeitig schützt die Gruppe diese Experimente, sanktioniert sie sogar positiv. Hier wird also ein Raum geschaffen, in dem freie Entfaltung mit allen Schrägheiten möglich ist. Der Raum ist konkret und gleichzeitig imaginär, fast mystisch.

Das mystische Verbergen oder Schützen des privaten Umfeldes, der Gruppe, der Familie, spielte schon vor den Erkennungstechnologien eine Rolle. Es waren steinerne fratzenartige Gesichter als Schlusssteine ausgeführter Schmuck an Häusern, die das Innere schützen sollten, sogenannte Maskarone.

Zwar können die Maskarone als Symbolgestalten nichts gegen die realen Gefahren der Welt ausrichten, jedoch vermögen sie den Ängsten der Bewohner einen Ausdruck geben. Der Glaube an magische Schutzgestalten ist ein Weg, den Gefahren einer ungewissen Zukunft zu begegnen. Man kann solche Ängste zu verdrängen versuchen, oder ihnen, beispielsweise durch die Darstellung solcher Maskarone einen Ausdruck geben. Die Ängste werden dabei zwar bildhaft angesprochen, aber durch die Materialisierung der Maskarone bekommen sie auch eine Dimensionierung und können nicht übermächtig werden. Ja, ich sehe darin auch eine Mystik, einen gewissen Zauber.


Judith, es gibt noch anderen Formen von „Maskierungen“ beim Menschen. Haben Alltagsmasken z.B. Schminke, Verstellung, Schönheitschirurgie, Accessoires wie Brillen oder Piercing, auch diesen Zauber, soll er verstärkt werden oder geht der im Alltag verloren?


Hinter der Maske nur Zufall

Judith, was vermittelt uns eine Maskierung?

Masken haftet oft ein fahler Geschmack von Verstellung oder Täuschung an. Meist betrachten wir Masken als einen Versuch, das „echte“ Gesicht hinter der Maske verbergen, um uns zu verstellen oder dem Gegenüber wichtige Informationen von uns zu verheimlichen. Betrachten wir Masken jedoch als eine Form der Symbolebene, dann können wir die Maske in einem völlig neuen Licht betrachten. Nach welchen Stereotypen wir betrachtet werden, hängt von den zufälligen Eigenschaften ab, die mein Gesicht ausmachen.

So ist es Resultat eines Zufalls, ob ich ein rundes oder ein kantiges Kinn habe. Mit den Stereotypen, die auf die Form meines Kinns projiziert werden, muss ich notgedrungen leben, auch wenn sie mit meiner Persönlichkeit und der Art, wie ich erscheinen möchte, oft überhaupt nichts zu tun haben. Wenn ich nun die zufälligen Eigenschaften meines Gesichts mit einer Maske überlagere, dann kann ich gezielt beeinflussen, mit welchen Vorstellungen meine Erscheinung verbunden werden soll. Eine Maskierung wirkt dann wie ein Schutz vor der Beurteilung meiner Persönlichkeit aufgrund meines Erscheinungsbilds.

Wenn ich das Aussehen meines Gesichts künstlich beeinflusse, macht das mein Gesicht nicht weniger „echt“, sondern vor allem weniger zufällig. Masken sind also mitnichten eine Verstellung des echten Gesichts, sondern eine Möglichkeit, die Gestaltung der Symbolebene nicht vollständig dem Gegenüber zu überlassen, sondern aktiv daran mitzuwirken.

Mit einer Maske biete ich nur gezielt die Eigenschaften an, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie der Art, wie ich erscheinen möchte, entsprechen. Masken könnten so das „echte“ Gesicht von mir vielleicht mehr zum Ausdruck bringen, als es mein ungeschminktes Gesicht für mich tut.


Barbara, ist das Verbergen des echten Gesichts immer unehrlich? Kann man Maskierung auch positiv betrachten? Liegt darin nicht auch ein besonderer Zauber?


Mimik decodieren

Judith, wie können Maschinen denn Mimik erkennen und verstehen?

Einige unserer mimischen Ausdrücke zeigen sich universell auf die gleiche Weise und sind wahrscheinlich in unserer DNA eingeschrieben. Diese Ausdrücke wurden erstmals von Paul Ekman und Wallace Friesen erforscht und unter dem Begriff „Basisemotionen zusammengefasst“. Dazu gehören Freude, Wut, Trauer, Angst, Ekel, Überraschung und Verachtung. Die Universalität dieser Basisemotionen ist für uns von herausragender Bedeutung, weil es bedeutet, dass wir unabhängig von Kultur, Sprache oder Fremdheit die Gefühle eines Gegenübers erkennen können. Die Basisemotionen geben uns eine grundlegende Orientierung über den emotionalen Kontext einer sozialen Interaktion.

Ekman und sein Forschungsteam entwickelten außerdem eine Systematik für Gesichtsausdrücke, das Facial Action Coding System (FACS). Dieses beinhaltet alle zu den Basisemotionen gehörenden Muskelbewegungen und macht es dementsprechend möglich, Mimik nach einer festen Logik zu decodieren. Das FACS bildet die Grundlage für alle derzeit bestehenden Mimik-Interpretations-Systeme. Diese werten die Bewegungen im Gesicht aus und vergleichen die Abweichungen mimischer Punkte (Mundwinkel, Lippenposition, Augenbrauen, etc.) mit ihrer neutralen Position. Es ist insofern technisch möglich, anhand von Bilddaten eine Aussage zu der emotionalen Grundverfassung einer Person zu treffen.

Allerdings ist Mimik nicht nur universell, sondern zu Teilen auch kulturell ausgeprägt. Zahlreiche Ausdrucksnuancen haben eine kulturelle Konnotation, deren Bedeutung wir nur verstehen können, wenn uns die Kultur bekannt ist. Dazu gehören etwa die Ausdrücke, die du bereits beschrieben hast: Was wird als Flirt wahrgenommen, was als Autorität? Wie zeigen wir Fürsorge oder drücken Ironie aus?
Kulturell geprägte Ausdrücke sind keine festen Einheiten wie die Basisemotionen, sondern entwickeln sich ständig weiter. Sie teilen sich diese Eigenschaft mit der gesprochenen Sprache, die sich ebenfalls ständig verändert und das Zeitgeschehen widerspiegelt.
Diese kulturell geprägten Ausdrücke werden in den derzeitigen Mimik-Interpretationstechnologien nicht berücksichtigt.

Der Umstand, dass unsere Mimik auf ihre universelle Ausprägung reduziert wird, ist problematisch. Werden kulturelle Ausdrücke von technischer Seite nicht anerkannt, kann das dazu führen, dass wir sie langfristig in unserer Ausdrucksweise auslassen werden, da sie keine (technologische) Resonanz erfährt.  


Barbara, was verrät unser Ausdruck über uns, wozu ist er wichtig?


Maskierung in der Öffentlichkeit

Barbara, wie ist Dein Blick auf solch eine Systematik?

Sehr wichtig erscheint mir die Unterscheidung, die Du im vorhergehenden Beitrag gemacht hat. Du schreibst: „Eine Technologie, die Emotionen auf dem Gesicht ablesen kann, hat nicht zwangsläufig auch die Eigenschaft, die Personen vor der Kamera zu identifizieren.“

Es geht also nicht nur um biometrische Daten, sondern um die Abbildung des emotionalen Prozesses im Gesicht. Die Einordnung eines Menschen in die Zughörigkeit, Schicht und Ethnie lassen sich vermeintlich an Äußerlichkeiten identifizieren: Kleidung, Haare, Hautfarbe, Körperumfang, Statussymbole.

Gleichzeitig sind wir als Menschen damit beschäftigt, eine Rolle auszufüllen und fragen uns, was wollen wir über unser Gesicht zeigen, was verbergen wir? Was geben wir von uns preis, was ist schützenswert?

Etwas verbindet viele Kulturkreise und Gesellschaften: Mächtige wollen ihre Untergebenen, ihre Bürger, ihre Kunden kontrollieren und steuern. Das führt zu Vermummungsverboten des Gesichtes im öffentlichen Raum und wird sanktioniert. Laut § 27 Versammlungsgesetz NRW darf man in Deutschland im öffentlichen Raum beispielsweise bei Demonstrationen oder im Auto keine Maske tragen.

Ein anderer Aspekt ist die Prägung in und aus den jeweiligen Kulturkreisen, aus denen wir kommen und in denen wir leben. Das Gesicht wahren, ein steinernes Gesicht, ein offenes Gesicht, sind bekannte Metaphern. In manchen Kulturen ist es ein Affront, dem anderen direkt in die Augen zu schauen. Woanders gilt der gesenkte Blick als ein Zeichen der Unterwerfung.

Sein Gesicht zu verdecken, kann entweder dem Schutz der eigenen Person dienen oder eine Verweigerung der Identifizierbarkeit bedeuten.

Eine Gesichtsbedeckung wird auch zum Schutz des Gesichtes bei der Arbeit mit gefährlichen Substanzen oder aus religiösen Gründen genutzt. Vermummung nennt man es bei Demonstrationen oder Straftaten, daher bestehen Vermummungsverbote.

Nun herrscht in Corona-Zeiten plötzlich eine Maskenpflicht.
Wie erkenne ich mein Gegenüber? Wie gehe ich auf ihn oder sie zu?

Das Virus verurteilt uns auf jeden Fall, Abstand zueinander zu halten. Das ist für uns als soziale Wesen schwierig. Ein Händedruck, eine Umarmung, ein Näherkommen sind uns wichtig.


Judith, was bedeuten nun die Gesichtserkennungstechnologien?


Das Ungreifbare erforschbar machen

Judith, wie verstehst du deinen Forschungsansatz und was hat das mit Gesichtserkennungstechnologien zu tun?

Streetart in den Straßen von Lubljana. Die Vielschichtigkeit des Gesichts wird hier durch doppelte Linienführung hervorgehoben. Die verschiedenen Ebenen Index, Ausdruck und Symbolebene werden übereinandergelegt.
Streetart in den Straßen von Lubljana

Gesichter sind als Forschungsgegenstand gerade wegen ihrer Vielschichtigkeit interessant.
Jedes Gesicht ist einzigartig, ständig in Bewegung und wird von äußeren Einflüssen mitgestaltet. Sonne und Alter hinterlassen darin ihre Spuren, ebenso wie Episoden voller Glück oder Zeiten der Trauer. Wollen wir das Gesicht einer systematischen Betrachtungsweise unterziehen, dann ist das nur möglich, wenn wir das Gesicht aus mehreren, sehr eng gefassten Perspektiven betrachten. Wir können uns diese Perspektiven wie verschiedene Ebenen eines Gesichts vorstellen. Jede Ebene übernimmt eine spezifische Funktion. Alle sind aber immer nur ein kleiner Teil dessen, was das Gesicht ausmacht und jede Ebene hängt mit den anderen Ebenen zusammen.

Für diesen Dialog untersuche ich die folgenden drei Ebenen:

  • Index
  • Ausdruck
  • Symbolebene

Die Indexebene beschreibt die Eigenschaft, anhand des Gesichts ein Individuum zu erkennen. Wir erkennen einander nicht an unseren Händen oder anderen Körperteilen, sondern anhand der einzigartigen Merkmale des Gesichts.

Die Ausdrucksebene des Gesichts beschreibt die Mimik, die unsere Gefühle und Affekte kommuniziert. Jede Bewegung, die auf dem Gesicht durch Muskeln verursacht wird, gehört zu der Ausdrucksebene.

Die Symbolebene beschreibt alle die Eigenschaften, die uns ein Gegenüber aufgrund unseres Aussehens zuschreibt. Sie ist sicherlich die Ebene, über die wir besonders gut streiten können. Einerseits bietet sie eine unverzichtbare Orientierungshilfe in der sozialen Interaktion, gleichzeitig ist sie aber die Grundlage für Vorurteile, visuelle Stereotype und einer Benachteiligung aller Menschen, deren Aussehen nicht festgelegten Normen entspricht. Alle die hier beschriebenen Ebenen des Gesichts sind durch aktuelle Entwicklungen der Gesichtserkennungstechnologien betroffen. Auch deshalb lohnt sich eine spezifische Untersuchung der einzelnen Funktionen des Gesichts – denn Gesichtserkennungstechnologie ist nicht gleich Gesichtserkennungstechnologie. Eine Technologie, die Emotionen auf dem Gesicht ablesen kann, hat nicht zwangsläufig auch die Eigenschaft, die Personen vor der Kamera zu identifizieren.


Barbara, wie ist Dein Blick auf solch eine Systematik?


Ein Künstlerischer Dialog

Ankündigung Blog Ein Künstlerischer Dialog von Judith Block und Barbara Otto

Auf Distanz unterhalten….

Mit unserem Blog laden wir euch ein zu einem Einblick in unseren künstlerischen Dialog.

Wir, das sind die Designerin und Designwissenschaftlerin Judith Block und die Künstlerin Barbara Otto. Judith schafft es, die Dimension der Gesichtserkennungstechnologien über Digitale Masken erfahrbar zu machen. Barbara nutzt die über Jahre übereinander geklebten Plakatschichten von Litfaßsäulen, um den verschiedenen digitalen Bildsprachen in einer Art Zeitdokument ein Gesicht zu geben.

Da wir unser künstlerisches Dialogforum „FACE_Off! Das Gesicht in digitalen Zeiten“ im Rahmen des Kulturfestivals Sommerblut nun nicht real im Mai durchführen können, sondern erst im August, laden wir Euch vom 8.Mai und bis zum 24. Mai zu einem täglichen Blog ein.