Das Gesicht in digitalen Zeiten – ein Blick in die Zukunft

Wenn wir über die Zukunft reden, denken wir meist an Technologien. Es werden Roboter sein, die uns in der Zukunft begleiten, Maschinen, die uns Aufgaben abnehmen und neue Medien, die unsere Wahrnehmung auf die Welt verändern. Nur selten kommt uns in den Sinn, welche Konstanz wir als Menschen selbst in der Zeit bilden.

Das Gesicht als Projektionsfläche für Zeitgeist und Visionen ist immer auch ein Zeugnis seiner Zeit.

Wagen wir einen Blick in unsere Zukunft, dann lohnt es sich deshalb, die gegenwärtige Wahrnehmung des Gesichts zu untersuchen. Und diese erlebt derzeit einen entscheidenden Umbruch. Erstmals in der Geschichte wird das Gesicht für Maschinen lesbar. Im Zusammenspiel von Kameratechnologien und neuronaler Netze können Informationen zu Gesichtern nicht nur aufgenommen, sondern auch auf verschiedenste Weise technologisch interpretiert werden.

Diese Entwicklung birgt großes Veränderungspotenzial für unser gesellschaftliches Zusammenleben und auch die Art, wie wir miteinander kommunizieren.

Unser künstlerischer Dialog widmet sich den Veränderungen, die uns mit dieser Entwicklung bevorstehen. Dabei stehen wir sowohl fachlich in einem Spannungsfeld als auch bezüglich unserer Lebenserfahrungen. Wir entstammen zwei unterschiedlichen Generationen, die eine Jugend hat vor der Digitalisierung stattgefunden, die andere wurde hauptsächlich davon geprägt. Die eine hat die Anfänge der Digitalisierung durch die Einführung von PCs aktiv mitgeprägt. Die andere findet die Digitalisierung als gegeben vor, sucht Wege der Opposition, stellt in Frage.

Jede hat ihr eigenes Arbeitsmaterial, mit Neugier schauen wir auf den Arbeitsprozess der anderen, manches scheint uns fremd, aus der Zeit gefallen oder zeitgemäß?

So ist Barbaras Material ein Relikt einer vordigitalen Zeit und gleichzeitig wichtiger Zeitzeuge vieler Jahre des öffentlichen Lebens, denn Litfaßsäulen sind seit Jahren nicht mehr im Stadtbild prägend. Judiths Entwurfsarbeit am Computer hingegen hat nur wenig mit der haptischen Auseinandersetzung mit Materialien zu tun. Die Entwürfe werden am Bildschirm erstellt und finden erst nach Fertigstellung ins Material.

Unser künstlerischer Dialog speist sich aus diesen Unterschieden, sucht in unseren unterschiedlichen Weltzugängen nach Widersprüchen und Ungereimtheiten.


Judith, Du bringst den Aspekt der Designforschung ins Gespräch. Kann man sagen, dass der Künstlerische Dialog von uns eine Form von Designforschung ist?